Statement des Freundeskreis FaustForum

Zunächst darf ich der Bürgerinitiative danken. Danken dafür, dass sie uns durch ihre Aktivität zusammengebracht haben. Natürlich wünschen wir uns nicht, dass Sie mit Ihrer Initiative erfolgreich sind. Sie haben aber zu dieser breiten Interessensvertretung von mittlerweile 200 Bürgerinnen und Bürgern entscheidend beigetragen.

Auch bei uns gab es selbstverständlich unterschiedliche Argumentationsschwerpunkte: Die Standortfrage, die Frage der Parkplätze. Die Größe, die Kosten, die inhaltliche Struktur, die künftige Trägerschaft usw.

Wir vertreten aber rückhaltlos die über Jahre gewachsene Position des Gemeinderats und der Verwaltung, weil sie maßvoll und vernünftig ist. Weil sie das Für und Wider jedes einzelnen Aspekts abgewogen hat und ein richtiges Maß all dessen gefunden hat. Kein Mittelmaß und kein fauler Kompromis sondern immer eine vernünftige, machbare Lösung. Das vertreten wir. Und auch für den späteren Betrieb wollen wir basierend auf diesem Prinzip unsere Mitarbeit anbieten. Wenn, so hoffen wir, das Haus eines Tages steht und wenn sie dann – mit Blick auf die inhaltliche Ausgestaltung des Hauses – von den Entscheidungsgremien gewünscht ist.

Wir engagieren uns als Bürger für die Bürgerschaft. Wir sind freundschaftlich untereinander verbunden und agieren – durchaus im Sinne der Tradition unserer Eltern und Großeltern – als Bürgerinnen und Bürger für unsere Stadt. Und – dies sei hervorgehoben – wir repräsentieren die gesamte Bürgerschaft. Wir sind keineswegs nur einige, die sich der „Hochkultur“ verschrieben haben. Im Freundeskreis ist – quer Beet – die gesamte Bürgerschaft vertreten.

Alle gemeinsam profitieren wir von dem Besonderen, das die Stadt auszeichnet. Wir lieben diesen Spirit, dieses Besondere und wir sind froh und dankbar, hier leben zu dürfen. Wir fühlen uns mit allen verbunden, die ebenso empfinden – mit Ihnen!

Das ist uns viel wert und wir wollen Alles dafür tun, dass es so bleibt. Über manchem Stadttheater in Deutschland steht eine Widmung De cives pro civitate – von den Bürgern für die Bürger. So sehen wir uns auch ein bisschen – und meinen, das gilt auch heute. Und wir wollen, dass ein Haus für alle (!) Bürger gebaut wird. Das unterstützen wir.

Bei der letzten Fußballweltmeisterschaft war manchmal die Rede von Spielern, „die den Unterschied machen“. Was ist damit gemeint? Spieler, die unverwechselbar sind. Sie scheinen wie magisch mit den anderen Spielern verbunden, können allein ein Spiel entscheiden usw. Kaum zu beschreiben, zu definieren, auf jeden Fall aber handelt es sich um eine besondere, einzigartige – Qualität.

Wir sprechen auch in Staufen von der Lebensqualität des Städtle, die uns allen so viel wert ist. Aber Qualität – was ist das eigentlich? Sie direkt zu definieren gelingt nur sehr schwer. Sie ist z. B. „mehr als die Summe aller Teile“. Wahrzunehmen ist sie nur als eine klare und besondere Empfindung. Und dennoch ist es ein – wenn auch schwer zu greifendes – Faktum. Was Qualität eigentlich ist, merkt man grundsätzlich erst wirklich, wenn sie nicht mehr da ist.

Und so müssen wir heute klar sehen, dass sie durchaus gefährdet ist: Das kulturelle Leben in Staufen der letzten Jahrzehnte ruht im Wesentlichen auf den Schultern einer kleinen Zahl von Privatpersonen. Nur sind die alle so ungefähr mittlerweile in meinem Alter. Und da gibt es ein unübersehbares demografisches Problem . . . Wenn es also nicht gelingt, da einen Ausgleich oder Ersatz zu schaffen, wird die Qualität – so wie wir sie kennen – verschwinden.

Das hat die Stadt und haben ihre gewählten Vertreter erkannt und man kann Ihnen nicht genug Lob aussprechen für den mutigen Schritt, durch den Bau eines geeigneten Gebäudes einen neuen Impuls zu setzen. Über Jahre haben die Frauen und Männer des Gemeinderats zusammen mit der Verwaltung und dem Bürgermeister diesen Plan „geschmiedet“. Bis in die kleinsten Details wurde diskutiert und mit dem vorliegenden Entwurf ein Konzept vorgelegt, was die kulturelle Bestandssicherung und die Entwicklung unserer Stadt zum Ziel hat.

Wer kann sich ernsthaft dagegen aussprechen? Es ist von Seiten der Kritiker dieses Gemeinderatsbeschlusses immer von hohen Kosten die Rede. Nun, wer weiß, ob nicht ein – wie immer gearteter kleinerer Bau – nicht noch teurer wird? Der Bau, weil die Planung komplett von vorne beginnen muss und der Betrieb, weil ein kleineres Gebäude nicht wirklich gebraucht wird und sicher keine Zusatzeinnahmen trotzdem aber erhebliche Betriebskosten generieren wird. Das ein solches Gebäude – eher ein Vereinsheim – sicher keinen Beitrag zur überregionalen Entwicklung der Stadt Staufen als Kultur- und Bildungsstadt leisten kann, ist ebenfalls klar.

Staufen hat’s und Staufen braucht’s. Staufen hat eine Bürgerschaft, die mit einem solchen FaustForum etwas anfangen kann und wird. Staufen hat ein hervorragendes Vereinsleben, das in jeder Hinsicht von einem solchen Haus profitieren wird: Seien es die direkte Nutzung durch die Musikvereine, die bestehenden/traditionellen schulischen und kulturellen Einrichtungen oder die Sportvereine, die sich nicht länger auf ihre Sporthalle teilen müssen. Und das braucht Staufen dringend.

Und dann die böse Unterstellung vom „Konzerthaus“: Das nehme ich der BI mittlerweile übel, dass sie – trotz besseren Wissens (sie haben das Nutzungskonzept in seiner äußersten inhaltlichen Breite und kulturellen Offenheit ja selber mehrfach vorgestellt) – mit diesem Begriff plakativ und populistisch versucht, Stimmen zu fangen. Sie hätten in vielen Veranstaltungen der letzten Monate lernen können, wie es sich wirklich verhält und beharren weiterhin auf dieser Unterstellung. Sie sind zu einer faktenbasierten Diskussion und den daraus folgenden notwendigen Einsichten gar nicht bereit.

Apropos Fakten: Wo sind ihre Fakten? Wo ist Ihre Kostenkalkulation, ihre Raumplanung (außer dem von Ihnen präsentierten und aus der Luft gegriffenen Massaker an dem bestehenden preisgekrönten Entwurf vom Architektenbüro Maucher)? Wo ist Ihr Nutzungskonzept? Sie sagen, das hätten Sie nicht, sie hätten lediglich einige Ideen und die sollte der Gemeinderat nun umsetzen.

Die Wahrheit ist: Sie zwingen dem Gemeinderat etwas auf, was er selbst – aus sachlichen Gründen – schon mehrfach verworfen hat. Eben die kleinere Lösung. Und meinen, dass diejenigen, die sich über Jahre damit beschäftigt haben, in diesen überaus sauren Apfel beißen müssten. Und reden von: Mit ein bisschen gutem Willen . . . Das Problem ist aber, dass sie – im Fall des Wahlsiegs – das „Kind mit dem Bade ausschütten“ würden: Das Projekt wäre tot, denn mittlerweile hat sich die Fraktion der FW eindeutig für das Projekt ausgesprochen und die Fraktion der ULS/Grünen findet seit neuestem ebenfalls, dass das Gebäude „die richtige Größe“ hat.  

Es muss allen Wählerinnen und Wählern klar sein: Ein Sieg der Bürgerinitiative bei der Abstimmung am 22.1.23 würde das Gesamtprojekt zu Fall bringen. Die „Jahrhundertchance“ wäre auf Jahre oder Jahrzehnte vertan.

Es wird viel gesprochen vom Geld, von Zahlen und von Risiken. Der Wert eines funktionierenden gesellschaftlichen Lebens einer Kommune wie Staufen ist nicht wirklich zu beziffern. Das liegt in der Natur dieser unsichtbaren „Sache“. Dennoch ist dieser Wert real existent – deutlich spürbar, leider nicht messbar – wenngleich m. E. sehr hoch zu bewerten.

Ein Risiko ist eben aber auch, dass wir etwas anderes verlieren: Es gibt nicht nur ein Klima im Sinne von Weltklima, Wetter usw. Es gibt auch ein kulturelles Klima, das zu erhalten ist. Wer weiß, ob wir nicht in ein paar Jahren froh sein werden, dass wir einen solchen modernen Begegnungsraum wie das FaustForum geschaffen haben? Wer weiß, ob sich z. B. der psychische Gesundheitszustand der Gesellschaft nicht noch weiter verschlechtert? Dann bräuchten wir noch mehr solcher Einrichtungen des analogen und heilsamen Gemeinschaftslebens. Dann bräuchten wir solche Räume quasi als „Wärmestuben“ gegen innere Kälte und Frost.

Wer weiß, ob nicht nächste Generationen froh und stolz sind, dass wir ihnen – auch – solches hinterlassen haben? So wie wir unseren Eltern und Großeltern dankbar für das hinterlassene „kulturelle Erbe“ sind, diese Stadttheater, Museen, diese Orchesterlandschaft, um das die Welt uns beneidet. Wir teilen ja ebenfalls die großen Sorgen und Ängste, die diese Zeit so stark prägen. Aber wir wollen denen etwas entgegensetzen: Einen Ort schaffen, ein Forum, einen Raum für Begegnung, für Begeisterung, für die schiere Freude, für’s Staunen und Berührt-werden-können. Und für Hoffnung und Trost – ganz allgemein.

Mit der Wahl am 22. Januar haben auch Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, die Möglichkeit, Ihre Zukunft, Ihr gesellschaftliches Lebensklima mitzugestalten. Und wenn Ihre Stimme dazu beiträgt, dann sind Sie ebenso wie wir: Freundinnen und Freunde – eben der Lebensqualität in Staufen. Sie bauen mit Ihrer Stimme das FaustForum sozusagen mit.

Ich erlaube mir noch das oft zitierte Wort John F. Kennedys abzuwandeln: Wenn Sie sich fragen, was Sie für Staufen tun können (und nicht, was die Stadtgesellschaft für Sie tun kann!), dann bitten wir Sie, stimmen Sie mit Nein, bauen Sie mit uns gemeinsam an diesem neuen Haus für uns, für unsere Kinder und Enkelkinder.

Christoph Büscher  Pressesprecher